{"id":785,"date":"2025-02-16T18:16:53","date_gmt":"2025-02-16T18:16:53","guid":{"rendered":"https:\/\/loesener.de\/?page_id=785"},"modified":"2025-02-16T18:16:53","modified_gmt":"2025-02-16T18:16:53","slug":"materialien-zum-hoerenden-lesen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/loesener.de\/?page_id=785","title":{"rendered":"Materialien zum h\u00f6renden Lesen"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Materialien auf dieser Seite k\u00f6nnen kostenlos heruntergeladen werden. Sie enthalten \u00dcbungen und Unterrichtsideen, die ab der f\u00fcnften Jahrgangsstufe eingesetzt werden k\u00f6nnen. Wer wissen will, wie sich der Lernparcours in eine Unterrichtseinheit zum h\u00f6renden Lesen von Gedichten integrieren l\u00e4sst, kann den den Artikel \u201eArbeit mit Sprechgestaltungen beim Umgang mit Lyrik (5.\/6 Klasse)\u201c (in: Praxis Deutsch, Themenheft \u201eLyrik verstehen\u201c (2009), H. 213, S. 23\u201325) zu Rate ziehen. In dem Band <a href=\"https:\/\/loesener.de\/?page_id=105\">\u201ehochform@lyrik. Konzepte und Ideen f\u00fcr einen erfahrungsorientierten Lyrikunterricht\u201c<\/a> (2011, vulpes) finden Sie weitere Ideen f\u00fcr den h\u00f6renden Umgang mit Gedichten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1 Was hei\u00dft \u201eh\u00f6rendes Lesen\u201c?<\/h2>\n\n\n\n<p>H\u00f6ren und Lesen sind verwandte T\u00e4tigkeiten. Wer zuh\u00f6rt, rekonstruiert aus dem Lautstrom, den er gerade wahrnimmt, ein sprachliches Gef\u00fcge, in dem alle Teile (Silben, W\u00f6rter, Wortgruppen) zu einem verstehbaren Ganzen verkn\u00fcpft werden. Wie anspruchsvoll diese Sprachleistung ist, beweist die Tatsache, dass man zwar stundenlang sprechen, aber, wie Untersuchungen gezeigt haben, nicht l\u00e4nger als 45 bis 60 Minuten konzentriert zuh\u00f6ren kann. \u00c4hnlich hoch sind die Anforderungen an das Lesen, bei dem es ebenfalls darum geht, aus einer Vielzahl von einzelnen Segmenten ein verstehbares Sinngebilde zu konstruieren. Der Begriff \u201eh\u00f6rendes Lesen\u201c w\u00e4re aber nicht mehr als eine Tautologie, wenn er lediglich auf diese offensichtliche \u00dcbereinstimmung hinweisen wollte. Tats\u00e4chlich steht er im Gegensatz zur landl\u00e4ufigen Vorstellung vom Lesen als einer rein kognitiven T\u00e4tigkeit. Auf dieser Auffassung beruhen etwa die Ratschl\u00e4ge der beliebten \u201espeed-reading\u201c-Ratgeber (\u201eErh\u00f6hen Sie Ihr Lesetempo, indem Sie Ihre innere Stimme zum Schweigen bringen und sich nur auf die Bedeutung konzentrieren\u201c). Hier wird eine Trennbarkeit von Laut und Bedeutung suggeriert, die es so nicht gibt, wie ein einfaches Umkehrexperiment beweist: Versuchen Sie einmal jemandem zuzuh\u00f6ren, der Ihre Muttersprache spricht, indem Sie nur auf die Laute, nicht aber auf die Bedeutung der W\u00f6rter achten. Das ist ebenso wenig m\u00f6glich wie die beim Schnelllesen geforderte reine Realisierung der Bedeutung ohne R\u00fcckgriff auf die Lautlichkeit. Einer \u00e4hnlichen Illusion unterliegen lesepsychologische Modelle, welche die phonologische Sprachgestalt den \u201ehierarchieniedrigen\u201c Prozessen zuschlagen und damit suggerieren, dass die Lautlichkeit der Sprache und ihre Sinnhaftigkeit getrennte Sph\u00e4ren bilden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der empirische Schwachpunkt dieser Annahme bilden diejenigen Formen des Lesens, die eine poetische Aufmerksamkeit verlangen, also das gestaltende Vorlesen f\u00fcr andere, aber auch ganz allgemein jedes intensive Lesen von Gedichten, Theaterst\u00fccken, Romanen, aber auch von stilistisch anspruchsvollen Sachtexten oder Essays. In all diesen F\u00e4llen kann die jeweilige sprachliche Gestaltung des Textes nicht nur nicht von seiner semantischen Seite getrennt werden, sondern bedarf einer bestimmten Form der H\u00f6rbarmachung, damit das Lesen zur Sinnerfahrung werden kann. \u00dcberall dort, wo eine sprachliche Wirkungsweise in einen Text eingeschrieben ist, kann sie nicht von dessen jeweiliger Sprachgestalt abstrahiert werden. Es gibt offensichtlich so etwas wie eine Sinnlichkeit des Sinns, die erkl\u00e4rt, warum sich das besondere Wirkungspotential eines Textes nur dann entfaltet, wenn dessen Sprachgestaltung sinnlich, n\u00e4mlich sprechend und h\u00f6rend, nachvollzogen wird. Ein Gedicht kann man eben nicht einfach \u2013 jedenfalls wenn m,an seine poetische Charakteristik erfahren will \u2013 \u00fcberfliegen, man muss es innerlich oder \u00e4u\u00dferlich nachsprechen. Das gilt f\u00fcr viele andere Texte auch und vor allem dann, wenn diese sprachlich anspruchsvoll gestaltet sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Insofern l\u00e4sst sich Lesen als Vorgang verstehen, bei dem eine Buchstabenfolge in ein Sprechereignis verwandelt wird. Der Text wird dabei stimmlich erfahren, als Stimme wahrgenommen, mit der f\u00fcr ihn charakteristischen Stimmlichkeit. Das h\u00f6rende Lesen kann somit als diejenige Leseweise definiert werden, bei der sowohl beim lauten als auch beim leisen Lesen eine maximale Realisierung der Stimmlichkeit im Textes erreicht wird. Diese Stimmlichkeit ist keine Projektion des Lesers, sondern ein Effekt der rhythmischen Gestaltung des Textes, die man, wie Henri Meschonnic in <em>Critique du rythme<\/em> (1982) gezeigt hat, beschreiben und analysieren kann. Es gibt bekanntlich \u2013 was fast schon ein Klischee ist, so oft wurde es gesagt \u2013 einen \u201eSound\u201c in den Gedichten von Sarah Kirsch oder von Mascha Kal\u00e9ko, der sich z.B. von der Stimmlichkeit bei Ingeborg Bachmann, Hilde Domin oder G\u00fcnter Kunert deutlich unterscheidet. Das Gleiche gilt f\u00fcr Theodor Fontane oder Eugen Ruge, f\u00fcr Walter Kempowski oder Wolfgang Herrndorf. <em>H\u00f6rendes Lesen ist ein Lesen, das diese in den Text eingeschriebene Sprechgestaltung und deren Wirkungsweise erfahrbar macht.<\/em> Das gilt gleicherma\u00dfen f\u00fcr das laute wie f\u00fcr das leise Lesen, in jedem Fall verlangt es ein H\u00f6chstma\u00df an Konzentration im Leseakt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgehend vom Begriff des h\u00f6renden Lesens l\u00e4sst sich erkl\u00e4ren, warum dem literarischen Lesen in allen seinen Spielarten ein zentraler Platz innerhalb der Lesef\u00f6rderung zukommen muss \u2013 und warum die Lesef\u00f6rderung unbedingt mit der Schulung des Zuh\u00f6rens beginnen sollte. Kinder, die Vorleseerfahrungen mitbringen, haben es in der Regel leichter, die Stimmlichkeit im Text zu rekonstruieren und zu reartikulieren. Wer nur Buchstaben lesen kann, kann auch diese nicht lesen. Wer dagegen in der Zeichenfolge schon die Sprechbewegung antizipiert, wird den Sprung vom Entziffern zum Verstehen leichter vollziehen. Die hier vorgestellten Materialien bilden keinen in sich geschlossenen Lehrgang, sondern sollen nur als Anregung f\u00fcr die Entwicklung eigener Ideen dienen. Es ging uns darum, den Zusammenhang von Sprechen, H\u00f6ren und Lesen durch die Arbeit mit Gedichten erfahrbar zu machen. Dabei ist uns bewusst, dass das h\u00f6rende Lesen auch beim Umgang mit allen anderen Formen von Literatur \u2013 und mit nicht-literarischen Texten \u2013 nachhaltig gef\u00f6rdert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2 Ein Modell des h\u00f6renden Lesens<\/h2>\n\n\n\n<p>Weitere Informationen zu den theoretischen Grundlagen des Konzepts finden Sie <a href=\"https:\/\/loesener.de\/?page_id=47\">hier.<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3 Einige \u00dcbungen f\u00fcr das h\u00f6rende Lesen<\/h2>\n\n\n\n<p>Der folgende <a href=\"https:\/\/loesener.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/lernparcours-2008-06-13.pdf\">Lernparcours f\u00fcr das h\u00f6rende Lesen<\/a> (als pdf-Datei) kann in Stationen von den Sch\u00fclern selbstst\u00e4ndig erarbeitet werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4 Mit kurzen Gedichten beginnen<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Anschluss an den Lernparcours k\u00f6nnen die Sch\u00fcler das Gelernte beim h\u00f6renden Umgang mit Gedichten anwenden. Es empfiehlt sich, zun\u00e4chst mit kurzen, relativ einfach verst\u00e4ndlichen Texten zu beginnen. (z. B. Michael Ende: Kaulquappe, Oskar Loerke: Vogelbotschaft unterm Regenbogen, Wilhelm Buch: Die erste alte Tante sprach, Georg Britting: Die Raubritter). Jeweils zwei 4er-Gruppen bekommen den gleichen Text vorgelegt. Die Sch\u00fcler sollen den Text erst ganz lesen und dann eine Sprechpartitur entwickeln, indem sie den einzelnen Versen die bereits aus dem Lernparcours bekannten blauen K\u00e4rtchen mit unterschiedlichen Sprechweisen und\/oder die gelben K\u00e4rtchen mit den Sprechformen zuordnen. Bei der Textauswahl bzw. bei der Aufteilung der Texte auf die einzelnen Gruppen bietet sich die M\u00f6glichkeit der Leistungsdifferenzierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier finden Sie die <a href=\"https:\/\/loesener.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/krtchenfrdiesprechpartituren.pdf\">K\u00e4rtchen f\u00fcr die Sprechpartituren<\/a> mit den Sprechformen und -stimmungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und sind die Vorlagen f\u00fcr Sprechpartituren zu folgenden Gedichten:<\/p>\n\n\n\n<p>Wilhelm Busch: <a href=\"https:\/\/loesener.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/sprechpartiturfinkundfrosch.pdf\">\u201eFink und Frosch\u201c (Sprechpartitur)<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wilhelm Busch: <a href=\"https:\/\/loesener.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/sprechpartiturdieerstealtetante.pdf\">\u201eDie erste alte Tante sprach\u201c (Sprechpartitur)<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Oskar Loerke: <a href=\"https:\/\/loesener.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/sprechpartiturvogelbotschaft.pdf\">\u201eVogelbotschaft unterm Regen\u201c (Sprechpartitur)<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Georg Britting: <a href=\"https:\/\/loesener.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/sprechpartiturraubritter.pdf\">\u201eDie Raubritter\u201c (Sprechpartitur)<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Michael Ende: <a href=\"https:\/\/loesener.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/sprechpartiturkaulquappen.pdf\">\u201eDie Kaulquappen\u201c (Sprechpartitur)<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5 Die K\u00f6nigsdiziplin: Umgang mit Balladen<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn die Sch\u00fcler erste Erfahrungen mit Sprechpartituren gesammelt haben, k\u00f6nnen sie bereits in der Unterstufe komplexere und l\u00e4ngere Gedichte erarbeiten und inszenieren. Hier finden Sie Materialien zum Herstellen einer Sprechpartitur zu Friedrich Hebbels Ballade \u201eAus der Kindheit\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>a) das Gedicht<a href=\"https:\/\/loesener.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/hebbel-2008-06-17.pdf\"> \u201eAus der Kindheit<\/a>\u201e, b) K\u00e4rtchen f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/loesener.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/kart-hebbel-2008-06-17.pdf\">Sprechweisen <\/a>und c) Vorlage f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/loesener.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/sprechpartitur-hebbel-2008-06-13.pdf\">Sprechpartitur <\/a>(als pdf-Datei)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6 Anregungen oder Kritik?<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Konzept des h\u00f6renden Lesens wird von uns in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Schulen weiterentwickelt. Wir freuen uns daher \u00fcber R\u00fcckmeldungen mit Erfahrungsberichten, Tipps und Erg\u00e4nzungsvorschl\u00e4gen zu den Materialien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ulrike Siebauer<\/strong><br>E-Mail: ulrike.siebauer@sprachlit.uni-regensburg.de<br>Website:<a href=\"http:\/\/www.uni-regensburg.de\/sprache-literatur-kultur\/germanistik-did\/mitarbeitende\/siebauer\/index.html\"> Homepage an der Universit\u00e4t Regensburg<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hans L\u00f6sener<\/strong><br>E-Mail: loesener@ph-heidelberg.de<br>Website: www.loesener.de<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Erlaubnis das Gedicht \u201eDie Raubritter\u201c von Georg Britting an dieser Stelle abzudrucken, danken wir der Georg-Britting-Stiftung.<a href=\"https:\/\/loesener.de\/wp-admin\/post.php?post=70&amp;action=edit\">Bearbeiten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Materialien auf dieser Seite k\u00f6nnen kostenlos heruntergeladen werden. Sie enthalten \u00dcbungen und Unterrichtsideen, die ab der f\u00fcnften Jahrgangsstufe eingesetzt werden k\u00f6nnen. Wer wissen will, wie sich der Lernparcours in eine Unterrichtseinheit zum h\u00f6renden Lesen von Gedichten integrieren l\u00e4sst, kann den den Artikel \u201eArbeit mit Sprechgestaltungen beim Umgang mit Lyrik (5.\/6 Klasse)\u201c (in: Praxis Deutsch, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":70,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-785","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/loesener.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/785","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/loesener.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/loesener.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/loesener.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/loesener.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=785"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/loesener.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/785\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":786,"href":"https:\/\/loesener.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/785\/revisions\/786"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/loesener.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/70"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/loesener.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=785"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}