Projekt 4: Sprachliches Lernen im Literaturunterricht

Sprachausbau und literarisches Lernen. Grundlagen sprachlicher Bildung im Literaturunterricht

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Die in der Didaktik seit längerem geführte Diskussion um den Begriff der „Bildungssprache“ verdeutlicht die Notwendigkeit einer Gesamtkonzeption für die sprachliche Bildung im Deutschunterricht. Dass sie bislang nicht entwickelt werden konnte, liegt auch an der fehlenden Integration des literarischen Lernens in eine übergreifende Sprachlernperspektive. An diesem Problem setzt das gemeinsam mit Prof. Dr. Eduard Haueis durchgeführte Forschungs- und Buchprojekt an. Es geht von einer Bestandsaufnahme der didaktischen Aporien aus, die zur Ausblendung wesentlicher Aspekte des sprachlichen Lernens im Literaturunterricht beitragen, und zeigt Wege zur Wiedergewinnung einer Unterrichtsaufgabe auf, die seit der Antike zum Kernbereich der schulischen Schriftsprachlichkeit gehört: dem systematischen Sprachausbau als konstitutivem Moment des schriftgeprägten Lernens in der Schule unter den Bedingungen sprachlicher und kultureller Vielfalt. (Haueis 2016, Maas 2008). Im Zentrum des Forschungsprojekts steht die Frage, wie der systematische Sprachausbau zur maßgeblichen Lernperspektive in allen Arbeitsbereichen des Deutschunterrichts werden kann. Ihre Beantwortung verlangt die Entwicklung einer Gesamttheorie des Deutschunterrichts, deren Voraussetzungen in dem Projekt geklärt werden sollen. Dazu wird eine Modellierung des sprachlichen Lernens vorgeschlagen, die vier Eckpunkte miteinander verbindet: die grammatisch konstituierte Sprachrichtigkeit, die der rhetorischen Tradition entstammende Sprachangemessenheit, die auf die poetische Performativität literarischer Texte bezogene Sprachwirksamkeit und die Perspektive der die ethische Seite des Sprachlernens betreffende Sprachmündigkeit. Sprachliche Bildung – so eine zentrale Hypothese des Forschungsprojekts – bedarf des koordinierten und ausgewogenen Zusammenspiels dieser vier Perspektiven, um allen Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, ihre Sprachfähigkeiten über die gesamte Schulzeit hinweg kontinuierlich und erfolgreich auszubauen.

Ergebnisse

Eduard Haueis / Hans Lösener (2022): Die sprechbare Schrift – Zur Sprachlichkeit des literarischen Lernens im Deutschunterricht. Berlin: Lang. In der von Iris Winkler und Christoph Bräuer herausgegebenen Reihe „Positionen der Deutschdidaktik“ .

Haueis, Eduard (2016): Ausbau von sprachlichen Potenzialen. Sozio- und Ontogenese in einer didaktischen Perspektive. Duisburg: Universitätsverlag Rhein-Ruhr.

Lösener, Hans (2019): Sprachmündigkeit und poetisches Sprachlernen. In: Christiane Hochstadt und Ralph Olsen (Hg.): Handbuch Deutschunterricht und Inklusion. Weinheim: Beltz, S. 291–306.

Maas, Utz (2008): Sprache und Sprachen in der Migrationsgesellschaft. Göttingen: V&R unipress.

Die Sprachlichkeit des Literaturunterrichts. Themenheft der Zeitschrift „Leseräume“, Ausgabe 4 (2018). Online unter diesem Link.